Die neue Website ist online. Sie sieht gut aus, das Team ist zufrieden, und der Relaunch ist endlich abgeschlossen.
Ein paar Wochen später fällt auf: Das Telefon klingelt seltener. Über das Kontaktformular kommen weniger Anfragen. Und niemand kann so richtig erklären, warum.
Bei einem Relaunch dreht sich die Planung meist um das, was alle sehen: Design, Bilder, Navigation und Texte. Was dabei leicht untergeht, ist das, was die Website bisher erfolgreich gemacht hat: ihre Auffindbarkeit bei Google, die Seiten, über die Interessenten gekommen sind, und die Inhalte, die aus Besuchern Anfragen gemacht haben.
Ein typisches Beispiel
Aus /leistungen/heizungsbau wird /services/waerme, weil die neue Seitenstruktur das so vorsieht.
Aus Sicht des Designs ist das konsequent. Google kann die neue Adresse zwar selbst entdecken. Ohne Weiterleitung fehlt aber ein wichtiges Signal dafür, dass die neue URL die alte ersetzt. Fehlt eine Weiterleitung von der alten auf die neue URL, landen Besucher unter Umständen auf einer Fehlerseite. Gleichzeitig riskierst du, über Jahre aufgebaute Rankings und den darüber gewonnenen Besucherstrom zu verlieren.
Auch mit korrekten Weiterleitungen sind vorübergehende Schwankungen normal, während Google die neuen URLs crawlt und indexiert. Weiterleitungen allein garantieren also keinen reibungslosen Übergang. Sie sind aber ein wichtiger Bestandteil eines sauberen Relaunchs.
Bei einer einzelnen Seite ist das schnell erledigt. Bei Hunderten von URLs braucht es eine systematische Prüfung.
Und das ist längst nicht alles
- Wichtige Inhalte verschwinden. Texte werden neu formuliert, klingen moderner und lesen sich besser. Dabei verschwinden mitunter genau die Begriffe und Inhalte, über die potenzielle Kunden die Seite bisher gefunden haben.
- Erfolgreiche Seiten werden gestrichen. Eine unscheinbare Unterseite, die regelmäßig qualifizierte Anfragen gebracht hat, passt nicht mehr ins neue Konzept und verschwindet, ohne dass jemand ihre Leistung geprüft hat.
- Die Orientierung wird schlechter. Leistungen sind umsortiert, wichtige Informationen liegen tiefer, Kontaktmöglichkeiten sind schwerer zu finden. Die Seite wirkt aufgeräumter, macht es Interessenten aber schwerer, den nächsten Schritt zu gehen.
- Technische Probleme bleiben unentdeckt. Ein vergessenes
noindexaus der Entwicklungsphase, ein Kontaktformular, das keine Nachrichten mehr verschickt, oder ein fehlerhaft eingebundenes Tracking: Solche Probleme lassen sich oft schnell prüfen und werden trotzdem übersehen.
Jede einzelne Entscheidung wirkt für sich sinnvoll. Erst wenn die Anfragen ausbleiben, zeigt sich, was sich in der Summe verändert hat.
Was sich jetzt tun lässt
Nicht jedes Problem erfordert einen neuen Relaunch. Oft lässt sich mit überschaubarem Aufwand viel verbessern.
Der erste Schritt ist ein Vergleich in der Google Search Console, dem kostenlosen Google-Tool für die Suchleistung: Wie viele Klicks und Impressionen – also wie oft eine Seite in den Suchergebnissen angezeigt wurde – kamen vor dem Relaunch über die Google-Suche, wie viele danach? Welche Seiten haben besonders stark verloren, und welche Suchanfragen bringen heute weniger Besucher?
Vergleiche möglichst gleich lange Zeiträume und berücksichtige saisonale Schwankungen. Ein Rückgang ist nicht automatisch die Folge des Relaunchs. Er ist aber ein Anlass, genauer hinzusehen.
Danach lohnt sich ein Blick auf die Weiterleitungen, die entfernten oder veränderten Seiten, die technische Erreichbarkeit und die Inhalte, die früher gut funktioniert haben. So lässt sich meist eingrenzen, wo die Verluste entstanden sind und was zuerst Sinn ergibt.
Das Design muss dafür nicht zurück an den Anfang.
Du vermutest, dass deine Website seit dem Relaunch weniger Anfragen bringt? Sprich mit uns. Wir schauen gemeinsam auf die Daten und die Website, sachlich, ohne Vorwürfe und ohne gleich den nächsten großen Umbau zu empfehlen.
PS: Das betrifft auch KI‑Suchen. ChatGPT, Perplexity
